Die Kino-Tipps im August

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Die Kino-Tipps im August

Agenten, Mutanten und Visionäre: Der August hält einiges bereit - in Form von "Tenet" unter Umständen die Zukunft der Filmbranche.

"Irresistible - Unwiderstehlich,, 6. August

Politikberater Gary Zimmer (Steve Carell) soll der Demokratischen Partei wieder zu mehr Zuspruch in der ländlichen Bevölkerung verhelfen. Seine geniale Idee: Er will den pensionierten Veteran Colonel Hastings (Chris Cooper, 69) bei dessen Wahlkampf um das Bürgermeisteramt der Kleinstadt Deerlaken unterstützen. Leider stellt sich nur allzu schnell heraus, dass eine öffentlichkeitswirksame Kampagne auf dem Land so ihre Tücken hat. Zu allem Übel rufen seine Bemühungen außerdem seine Erzfeindin, die skrupellose Republikanerin Faith Brewster (Rose Byrne, 41), auf den Plan.

Gary Zimmer (Steve Carell) trifft im Wahlkampf auf seine Nemisis: die Republikanerin Faith Brewster (Rose Byrne). (Copyright: © 2020 Focus Features, LLC. All Rights Reserved)

Einschätzung:

Der auch im realen Leben zuweilen absurde K(r)ampf zwischen Demokraten und Republikanern - nun auf die Leinwand gebracht von Satire-Meister Jon Stewart (57). Der ehemalige "Daily Show"-Moderator mag sich mit "Irresistible - Unwiderstehlich" zwar einem uramerikanischen Thema widmen, mitten in den zunehmend schmutzigeren Vorbereitungen auf den US-Wahlkampf und der ohnehin globalen Omnipräsenz eines Donald Trumps (74) empfiehlt sich die Polit-Satire aber auch außerhalb der USA.

"Wege des Lebens - The Road Not Taken", 13. August

Leos (Javier Bardem) Tochter Molly (Elle Fanning, 22) macht der zunehmend kritische mentale Zustand ihres alleinstehenden Vaters zu schaffen. Während sie sich durch einen stressigen Tag in New York City schlängeln und versuchen, den normalen Alltag zu bewältigen, verliert sich Leo immer wieder in zwei Lebensrealitäten, die er so hätte erleben können: Von der leidenschaftlichen Ehe mit seiner Jugendliebe Dolores (Salma Hayek, 53) in Mexiko bis hin zu einem Leben in Einsamkeit auf einer abgelegenen griechischen Insel, wo das zufällige Aufeinandertreffen mit zwei jungen Touristinnen schmerzliche, unbequeme Einsichten ans Licht bringt.

Leo (Javier Bardem) kämpft gegen das Vergessen. (Copyright: © AP (Molly) Ltd/Universal Pictures)

Einschätzung:

Schwere Kost erwartet die Kinogänger im Drama "Wege des Lebens - The Road Not Taken" von Sally Potter (70). Die Erkrankung von Hauptfigur Leo wird dem Zuschauer auf eine Weise ans Herz gelegt, die Raum, Zeit und Realität übersteigt. Was ist Erinnerung, was Einbildung und was eine Mischung aus beidem? Hervorzuheben ist hierbei Javier Bardems eindringliche Performance, mit der er wieder einmal unterstreicht, einer der besten seines Fachs zu sein.

"Tesla", 20. August

Der junge Ingenieur Nikola Tesla (Ethan Hawke) ist ein vielversprechender Angestellter in Thomas Edisons (Kyle MacLachlan, 61) Electric Light Company. Doch schon bald zeichnet sich ein Bruch zwischen den beiden sehr gegensätzlichen Männern ab, der sie zu lebenslangen Rivalen machen wird. Der brillante aber sozial unbeholfene Immigrant Tesla wendet sich an den Industriemagnaten George Westinghouse (Jim Gaffigan, 54), der fortan Teslas Arbeit an seinem bahnbrechenden Stromsystem finanziert. Gleichzeitig arbeitet der genialische Erfinder bereits ungeduldig an einem neuen ambitionierten, vom Bankier J.P. Morgan (Donnie Keshawarz) finanzierten, Projekt. Dabei begegnet Tesla Morgans Tochter Anne (Eve Hewson, 29) und steht vor der Entscheidung, sich weiter seiner Arbeit oder der Liebe hinzugeben.

Ein großer Geist, der Zeit seines Lebens um Anerkennung ringen musste: Nikola Tesla (Ethan Hawke) (Copyright: Leonine)

Einschätzung:

Nicht nur Thomas Edison hat unlängst sein eigenes Biopic (mit Benedict Cumberbatch, 44) spendiert bekommen, sondern nun auch Nikola Tesla. Irgendwie passend, so erstreckt sich die Fehde der beiden Erfinder und Visionäre quasi bis in die Gegenwart. "Tesla" bietet Einblicke in einen genialen wie komplizierten Geist, der maßgeblich dazu beigetragen hat, unseren heutigen Alltag zu formen. Zeit seines Schaffens erhielt Tesla wenig Anerkennung - höchste Zeit, das auch auf filmische Weise zu ändern.

"Tenet", 26. August

Der Dritte Weltkrieg scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Um die gesamte Welt vor dem Untergang zu bewahren, steht dem "Protagonisten" (John David Washington, 36) nur ein einziges Wort zur Verfügung: Tenet. Seine Mission führt ihn in eine zwielichtige Welt der internationalen Spionage, in der die Gesetze der Physik nicht zu gelten scheinen. Zeitreisen? Nein. Inversion.

Einschätzung:

Auf Christopher Nolans neuem Film "Tenet" liegen inzwischen gigantische Erwartungen. Und das nicht nur, weil mit Ausnahme von ersten epochalen Eindrücken bislang so gut wie nichts über die Handlung des Films bekannt ist. "Tenet" könnte in Corona-Zeiten die Zukunft der gesamten Film- und Kinobranche prägen. Ist Blockbuster-Unterhaltung in der Pandemie überhaupt möglich, sprich rentabel? Nolan wagt sich mit seinen Filmen erzählerisch gerne in unbekannte Gefilde und behandelt existenzialistische Fragen - für eine gesamte Industrie könnte der Start seines neuen Films nun wortwörtlich existenziell sein.

"X-Men: New Mutants", 27. August

In einem isolierten Krankenhaus mitten im Nirgendwo wird eine Gruppe junger Mutanten für psychiatrische Tests festgehalten. Als die Vorkommnisse immer unheimlicher werden, werden die neuen Fähigkeiten und die Freundschaften der Insassen auf eine harte Probe gestellt. Werden sie aus der Klinik fliehen können?

Magik (Anya Taylor-Joy) ist eine der jungen Mutanten, die in einer Einrichtung gefangen gehalten werden. (Copyright: © 2018 Twentieth Century Fox)

Einschätzung:

Die Gesellschaftskritik der bisherigen "X-Men"-Filme gepaart mit Horror-Elementen? Das klingt auf dem Papier nach einer vielversprechenden Weiterentwicklung der Geschichte über die Mutanten mit Superkräften, die doch eigentlich nur ein normales Leben führen wollen. "New Mutants" versammelt hierzu junge Talente wie Maisie Williams (23 "Game of Thrones") oder Charlie Heaton (26, "Stranger Things"), die sich bislang vor allem als Serienstars einen Namen gemacht haben. Wer auf die kunterbunte Welt der Marvel-Filme steht, könnte mit "X-Men: New Mutants" jedoch düsteren Schiffbruch erleiden.


Bildrechte: © 2020 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.

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Die Kino-Tipps im August

Zwei Haudegen in Hollywood, zwei Draufgänger in rasanten Boliden und jede Menge Spielzeug: Der August lädt dank "Once Upon a Time... in Hollywood", "Hobbs & Shaw", "A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando" und mehr zum Kinobesuch ein.

"Fast & Furious: Hobbs & Shaw", 1. August

Als sie von den bedrohlichen Plänen des internationalen Terroristen Brixton (Idris Elba) erfahren, sehen sich Secret-Service-Agent Luke Hobbs (Dwayne Johnson) und der geächtete Ex-Elitesoldat Deckard Shaw (Jason Statham) gezwungen, zusammenzuarbeiten. Durch genetische und kybernetische Weiterentwicklung hat sich Anarchist Brixton zum unschlagbaren Gegner perfektioniert, dem es sogar gelingt, Shaws brillante Schwester (Vanessa Kirby), eine abtrünnige MI6-Agentin, zu überwältigen. Allein haben weder Hobbs noch Shaw eine Chance gegen ihn und so bleibt den beiden Widersachern nichts anderes übrig, als sich gemeinsam in den Kampf zu stürzen.

Nicht zum Scherzen aufgelegt: Luke Hobbs (Dwayne Johnson, r.) und Deckard Shaw (Jason Statham) (Copyright: © Universal Pictures. All Rights Reserved.)

Einschätzung:

"Völlig Banane" - so lauter der Fachbegriff für die Prämisse von "Fast & Furious: Hobbs & Shaw". Und genau darauf zielt der Actionstreifen auch ab: Noch höher, noch schneller und noch weiter als in der Originalreihe geht es im Ableger zu. Irgendwie kaum vorstellbar. Das wird allen Fans des PS-Bombasts bestens gefallen, Neueinsteiger dürften sich aber verwundert am Kopf kratzen, der während eines "Fast & Furious"-Films aber ohnehin nicht allzu häufig gebraucht wird. Infantilen Spaß bereitet die auf Leinwand gebannte Zerstörungsorgie aber allemal.

"Once Upon a Time... in Hollywood", 15. August

Los Angeles, 1969. Eine Zeit, als alles im Umbruch ist. Auch TV-Star Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und sein langjähriges Stunt-Double Cliff Booth (Brad Pitt) müssen sich in einer Branche zurechtfinden, die sie kaum mehr wiedererkennen. Dalton ertränkt seine permanente Angst, zum alten Eisen zu gehören, in jeder Menge Alkohol. Booth macht derweil Bekanntschaft mit einer seltsamen Kommune junger Leute, die etwas im Schilde zu führen scheint. Haben die Hippies etwas mit dem langhaarigen Sonderling namens Charles zu tun, der kurz zuvor an der Tür von Sharon Tate (Margot Robbie) geklingelt hat?

Einschätzung:

Ein bahnbrechender Ensemble-Cast, liebenswert-schräge Charaktere, ein spannendes Setting und eine Ode an die Filmindustrie der 1960er Jahre: Quentin Tarantinos neunter Film "Once Upon a Time... in Hollywood, bietet auf den ersten Blick alles, was das Cineasten-Herz höherschlagen lässt. Doch nimmt sich der Film auch einer realen Tragödie an: Das Schicksal der schwangeren Sharon Tate (Margot Robbie) liegt von der ersten Sekunde des fast drei Stunden langen Streifens wie ein unheilvoller Moll-Ton über dem Gezeigten. Aber natürlich nicht ohne Tarantinos einzigartige Handschrift (und Interpretation) des verhängnisvollen 9. August 1969...

"A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando", 15. August

Die beliebtesten Spielzeuge der Filmgeschichte sind zurück! Woody hat in Bonnies Kinderzimmer ein Zuhause gefunden und genießt sein ruhiges Cowboy-Dasein, bis ihm Bonnie einen neuen und sehr speziellen Mitbewohner präsentiert: Forky! Eines wird bald klar: Mit Forky in der Spielzeugkiste bleibt nichts wie es war. Schon bald geht es auf in ein außergewöhnliches Abenteuer, auf dem Woody, Buzz Lightyear und Co. auch auf Spielzeuge der anderen Art treffen. Etwa Ducky und Bunny, zwei vorlaute Jahrmarkt-Stofftiere, die mit einer großen Klappe und einem noch größeren Ego darauf warten, gewonnen zu werden.

Einschätzung:

"Toy Story" ist schon ein Phänomen. Bisher hat es jeder Teil geschafft, den Vorgänger in Sachen Emotionalität und Einfallsreichtum zu überbieten. Eben auch, weil sich die Reihe viel Zeit lässt - Teil eins kam bereits 1995 ins Kino, also fast 25 Jahre vor dem neuesten Streich. Dass "Alles hört auf kein Kommando" den großartigen dritten Teil noch überbieten kann, wirkt zwar fast unmöglich, sowohl Kritiker-als auch Publikumsstimmen aus den USA stimmen aber zumindest ein vergleichbares Loblied an. Wer vor einer Ewigkeit selbst Kind war und nun wiederum mit seinem Nachwuchs die liebgewonnenen Spielzeughelden besuchen will, macht also sicher nichts verkehrt.

"I Am Mother", 22. August

Ein Hochsicherheitsbunker, in dem sich eine Mutter und ihre Tochter als die vermeintlich letzten Überlebenden einer globalen Katastrophe befinden - doch die Mutter ist kein Mensch und zahlreiche Geheimnisse umgeben die künstliche Intelligenz. Das wird der Teenagerin spätestens klar, als eine mysteriöse Frau (Hilary Swank) blutüberströmt in der Einrichtung auftaucht und das Weltbild der jungen Frau auf den Kopf stellt. Ist ihre gesamte Existenz etwa eine Lüge?

Wie weit kann die Liebe einer KI gehen? (Copyright: 2019 Concorde Filmverleih GmbH)

Einschätzung:

Wo liegen die emotionalen Grenzen einer künstlichen Intelligenz und wie menschlich kann sie werden? Diese Frage ist alles andere als neu, wird in "I Am Mother" aber in einem interessanten Sci-Fi-Setting verpackt. Wenige Charaktere samt Kammerspiel-Flair, die Frage nach den Beweggründen der dubiosen KI und Oscar-Gewinnerin Hilary Swank laden zu einem vielleicht nicht bahnbrechenden, aber spannenden Kinoabend ein.

"Die Agentin", 29. August

Über ein Jahr lang hat Mossad-Kontaktmann Thomas Hirsch (Martin Freeman) nichts mehr von seiner Agentin Rachel (Diane Kruger) gehört, als er plötzlich einen kryptischen Anruf von ihr erhält. Ihr Vater sei gestorben. Schon wieder. Dann legt sie auf. Sofort wird Thomas zu einem Krisentreffen beordert. Der Geheimdienst ist alarmiert, denn als ehemalige Mossad-Spionin verfügt Rachel über brisantes Wissen. Jahrelang hatte Thomas sie auf immer gefährlichere Missionen geschickt, bis sie sich in eine Zielperson verliebte. Jetzt soll Thomas herausfinden, ob Rachel eine Bedrohung für die Organisation darstellt, während er zugleich versucht, sie zu beschützen.

Agentin Rachel (Diane Kruger) verfügt über brisante Informationen (Copyright: Weltkino/Kolja Brandt)

Einschätzung:

Mit einem actiongeladenen Agentenspektakel der Marke James Bond ist "Die Agentin" nicht zu vergleichen - wer dennoch mit dieser Erwartung ins Kino geht, wird maßlos enttäuscht. Da passt der vergleich mit einem ruhigen, sich langsam entfaltenden "Dame König, Ass, Spion" aus dem Jahr 2011 schon deutlich besser. Die Charakterentwicklung von Diane Krugers Figur steht hier im Mittelpunkt, nicht eine weltweite Bedrohung, die es möglichst effektvoll zu beseitigen gilt.


Bildrechte: © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/Photo by Andrew Cooper