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Bietigheim-Bissingen, 30.10.2026 (PresseBox) – Unter den Pestiziden verursachte Fipronil im Messjahr 2022 in Schweizer Bächen die meisten Überschreitungen des Qualitätskriteriums. Als wahrscheinlichste Quelle gelten Flohmittel für Hunde und Katzen. Das Wasserforschungsinstitut Eawag berichtete am 15. Januar 2026 über eine gemeinsame Auswertung mit der Plattform Wasserqualität des Verbands Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute. Grundlage sind das nationale Fließgewässermonitoring und eine eigene Messkampagne; die Fachveröffentlichung dazu erschien 2025 in der Zeitschrift Aqua & Gas. Wo Wirkstoffe aus einem Halsband im Alltag überhaupt hingelangen, ordnet das Fachportal der Provimedia GmbH aus Bietigheim-Bissingen in seiner Einordnung zum Wirkstoffkontakt bei Mensch und Tier ein.

Fipronil gehört zur Gruppe der Phenylpyrazole und wirkt gegen Flöhe und Zecken. Nach Angaben der Eawag ist Fipronil in der Schweiz seit 2014 nicht mehr als Pflanzenschutzmittel zugelassen; die Zulassung von Biozidprodukten wurde 2023 zurückgezogen, die Abverkaufsfrist lief bis längstens Januar 2026. Als Tierarzneimittel für Heimtiere war der Wirkstoff im Januar 2026 weiterhin zugelassen.

Sechs Messwerte zeigen, wie stark Fipronil die Bäche belastet

Die Auswertung stützt sich auf Messungen, die den Stoff erstmals in der Größenordnung der ökotoxikologisch bedeutsamen Konzentrationen erfassen. Sechs Kennwerte trägt die Veröffentlichung in Aqua & Gas zusammen. Das chronische ökotoxikologische Qualitätskriterium für Fipronil liegt bei 0,77 Nanogramm je Liter. Herangezogen wurden 23 Messstellen des nationalen Monitorings, die von 2021 bis 2023 eine Bestimmungsgrenze von 0,5 Nanogramm je Liter oder besser erreichten. In zehn Gewässern wurden 2022 zwischen März und Oktober 100 Überschreitungen des Kriteriums gezählt, 2023 waren es 74 in ebenfalls zehn Gewässern.

Als Tierarzneimittel für Heimtiere kamen 2022 und 2023 jährlich 16 bis 17 Kilogramm Fipronil in Verkehr, nach Angaben des Schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic. Als Biozid gegen Ameisen und Schaben wurden für 2024 nur ein bis zehn Gramm gemeldet, ausgewertet durch das Bundesamt für Umwelt. Unterhalb einer Kläranlage lag die kumulative Fracht je Gewässer über die Messperiode bei fünf bis 20 Gramm; hochgerechnet gelangen so rund zehn Kilogramm im Jahr in die Gewässer der gesamten Schweiz.

Im Messjahr 2022 führte laut der Auswertung kein anderer Wirkstoff, der als Biozid, Tierarzneimittel oder Pflanzenschutzmittel zugelassen war, zu so vielen Überschreitungen wie Fipronil. In einzelnen Gewässern lag die Konzentration während der gesamten Messperiode ununterbrochen über dem Kriterium.

Der Weg in den Bach führt überwiegend durch die Kläranlage

Die Forschenden verglichen Gewässer mit und ohne gereinigtes Abwasser aus einer Kläranlage. Von den 23 beprobten Fließgewässern führen acht gereinigtes Abwasser, 15 nicht. Nach Angaben der Eawag gelangt Fipronil fortlaufend mit dem häuslichen Abwasser über Kläranlagen in die Gewässer; in kleinen Bächen ohne Kläranlage traten ökotoxikologisch relevante Konzentrationen nur in Einzelfällen auf.

Für den Alltag von Tierhaltern heißt das, dass der Eintrag nicht am Tier selbst endet.

Vom Tier bis in den Abfluss beschreibt die Auswertung vier Wege, auf denen der Wirkstoff das Haus verlässt:

  • Händewaschen nach dem Auftragen einer Spot-on-Lösung
  • Waschen oder Baden des behandelten Tieres
  • Reinigung von Textilien mit Wirkstoffresten, etwa Decken und Körbchen
  • direkter Eintrag, wenn ein behandeltes Tier in einem Gewässer badet

Welche Halsbänder ohne solche synthetischen Wirkstoffe auskommen, beschreibt das Fachportal in seiner Halsbändern mit pflanzlichen Wirkstoffen für Hunde und Katzen.

Für Tierarzneimittel legt die EU-Verordnung die Umweltprüfung in zwei Phasen an

Wer seit dem 28. Januar 2022 die Zulassung eines Tierarzneimittels beantragt, muss nach Artikel 8 Absatz 1 Buchstabe b der Verordnung (EU) 2019/6 technische Unterlagen nach Anhang II vorlegen. Anhang II Nummer II.3A6 verlangt eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die potenziell schädliche Wirkungen beurteilt und nötige Vorsichtsmaßnahmen benennt. Für Generika nach Artikel 18 ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung nur beizufügen, falls erforderlich. Die zuständige Behörde oder die Europäische Arzneimittel-Agentur kann Daten zu Umweltrisiken anfordern, wenn das Referenztierarzneimittel vor dem 1. Oktober 2005 zugelassen wurde.

Wo eine Umweltverträglichkeitsprüfung verlangt ist, besteht sie aus zwei Phasen. Die erste Phase ist dann in jedem Fall durchzuführen; sie behandelt unter anderem die Verabreichungsart, das wahrscheinliche Ausmaß eines direkten Eintritts in Umweltsysteme und die Beseitigung ungenutzter Tierarzneimittel. In der zweiten Phase sind nach den Leitlinien der Agentur weitere Untersuchungen zu Verhalten und Wirkungen auf besondere Ökosysteme erforderlich. Mittel für Hunde und Katzen erreichen diese zweite Phase nach einem Reflexionspapier der Agentur vom November 2023 bislang in der Regel nicht; das beruht auf Leitlinien, nicht auf dem Wortlaut der Verordnung. Im Juni 2025 hat der Tierarzneimittelausschuss der Agentur ein Konzeptpapier zur Konsultation gestellt, nach dem dieser Ansatz für bestimmte Mittel gegen Außenparasiten überprüft werden soll. Eine Leitlinie für eine darauf zugeschnittene zweite Phase soll nach dem dortigen Zeitplan Ende 2028 oder Anfang 2029 angenommen werden.

Die Autorinnen und Autoren der Auswertung halten fest, dass Daten zu Umweltkonzentrationen und Umweltverhalten von Tierarzneimitteln für Heimtiere weitgehend fehlen. Artikel 156 der Verordnung (EU) 2019/6 verpflichtete die Europäische Kommission, bis zum 28. Januar 2022 über eine Studie zu einem wirkstoffbasierten Prüfungssystem („Monographie“) und anderen Alternativen zur Umweltverträglichkeitsprüfung zu berichten. Den Bericht legte sie am 13. Januar 2023 vor; ein Monographiesystem oder eine der beiden darin vorgeschlagenen Alternativen einzuführen, hielt sie zum damaligen Zeitpunkt für verfrüht.

Weitere Wirkstoffe stehen für kommende Messkampagnen auf der Liste

Ob auch andere Wirkstoffe aus Antiparasitika für Heimtiere die Gewässer belasten, ist nach Angaben der Eawag Gegenstand künftiger Forschung. Genannt werden Pyrethroide wie Deltamethrin und Permethrin sowie Isoxazoline und Imidacloprid. Für einige dieser Stoffe fehlen Messdaten, weil die Analytik aufwendig ist. Bei anderen bleibt die Herkunft unklar, weil sie auch als Biozid oder Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Die nächsten Auswertungen des nationalen Monitorings sind die Stelle, an der sich das zeigen wird.

„Die Zahlen sind kein Argument gegen Parasitenschutz, sondern eines für saubere Anwendung. Wer die Packungsbeilage liest und das behandelte Tier einige Tage nicht baden lässt, kann vermeidbaren Eintrag verringern. Das kostet nichts und schwächt den Schutz des Tieres nicht“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Für Hundehalter beginnt im Herbst 2026 die Zeit, in der Flöhe in beheizten Wohnungen aktiv bleiben, während die Zeckensaison ausklingt. Wer jetzt ein Präparat wählt, kann die Angaben zur Anwendung und zur Entsorgung im Beipackzettel gezielt vergleichen. Die Angaben zum EU-Recht geben eine allgemeine Information nach dem am 23. September 2026 abgerufenen Normwortlaut wieder und sind keine Rechtsberatung. Grundlage sind die Artikel 8, 18 und 156 sowie Anhang II der Verordnung (EU) 2019/6 in der konsolidierten Fassung vom 28. Januar 2022. Welches Mittel für ein bestimmtes Tier geeignet ist, klärt man am besten mit der Tierarztpraxis.