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Bietigheim-Bissingen, 20.09.2026 (PresseBox) – Dem öffentlichen Musikschulwesen in Deutschland fehlt der Nachwuchs an Lehrkräften. Nach Angaben des Deutschen Musikrats gehen bis zum Jahr 2035 rund 14.700 Musikschulkräfte in den Ruhestand, während der Ausbildung nur etwa 4.000 Absolventinnen und Absolventen der Instrumental-, Vokal- und Elementaren Musikpädagogik gegenüberstehen. Vorgestellt wurde die Untersuchung MiKADO-Musik am 25. November 2025 in Berlin. Für Eltern und Lernende entscheidet sich daran, ob ein Unterrichtsplatz überhaupt zustande kommt. Was im Unterricht früh vermittelt wird, zeigt eine Darstellung dazu, worauf eine gesunde Körperhaltung beim Spielen ankommt.

Getragen wurde das Vorhaben von der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen, der Arbeitsgemeinschaft der Leitenden pädagogischer Studiengänge und dem Verband deutscher Musikschulen (VdM). Ausführlich publiziert ist die Erhebung seit dem 9. März 2026 in der Fachzeitschrift üben und musizieren.research.

Warum der Nachwuchs an Musikschullehrkräften rechnerisch nicht ausreicht

Die Studie stützt sich auf eine Befragung von 1.062 Personen aus Schule und Hochschule. Vier Befunde tragen die Hochrechnung:

  • rund 14.700 Musikschulkräfte erreichen bis 2035 das Ruhestandsalter
  • rund 4.000 Absolventinnen und Absolventen stehen dem in den einschlägigen Studiengängen gegenüber
  • etwa drei Viertel der frei werdenden Stellen wären damit nicht qualifiziert zu besetzen
  • mindestens 500.000 Schülerinnen und Schüler verlören rechnerisch ihren Unterrichtsplatz

Als Ursachen nennt die Untersuchung die Vergütung, anspruchsvolle Arbeitszeiten und ein Berufsbild, dessen öffentliche Wahrnehmung hinter der künstlerischen Laufbahn zurückbleibt. Frühe Unterrichtserfahrung, etwa die Leitung eines Ensembles, wirkte dagegen positiv auf die Studienwahl.

Wie groß das öffentliche Musikschulwesen in Deutschland ist

Nach Angaben des Verbands deutscher Musikschulen umfasst der öffentliche Bereich rund 930 Musikschulen. Dazu zählte der Verband zum Zeitpunkt der Veröffentlichung rund 21.000 Unterrichtsstätten, an denen über 1,5 Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene von rund 37.000 Fachlehrkräften unterrichtet werden.

„Ein Instrument lernt man nicht aus dem Regal, sondern von einem Menschen, der zuhört und korrigiert. Wenn diese Menschen fehlen, nützt die beste Ausstattung im Übungszimmer wenig“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Was ein knapperes Angebot für Lernende praktisch bedeutet

Ein fehlender Unterrichtsplatz verschiebt das Lernen in die Eigenregie. Wer wartet, greift häufiger zu Lehrmaterial, Aufnahmen und Notensammlungen, ohne die Rückmeldung einer Lehrkraft zu haben. Dieser Weg trägt für Grundlagen und stößt bei Technik und Haltung schnell an Grenzen.

Notenmaterial ist dabei der erste Engpass. Welche Quellen sich eignen, ordnet eine Übersicht dazu, wo sich Noten für die Gitarre digital finden lassen.

Welche Schritte die beteiligten Verbände jetzt fordern

Die drei Trägerorganisationen haben ihre Forderungen gemeinsam formuliert. Genannt werden Praktikums- und Mentoringprogramme, mehr praxisorientierte Studienplätze, eine Erweiterung des Instrumentenkanons und Lohnzuschüsse in strukturschwachen Regionen.

Zur Umsetzung schlagen sie eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe vor, an der die Kultusministerkonferenz, der Verband kommunaler Arbeitgeber, die kommunalen Spitzenverbände sowie Musikschul- und Hochschulseite beteiligt sein sollen. Ob daraus ein Gremium wird, ist im September 2026 offen.

Für das laufende Schuljahr ändert das zunächst wenig. Wer im Herbst 2026 einen Platz sucht, wird ihn eher über Wartelisten und private Lehrkräfte finden als über eine kurzfristige Ausweitung des kommunalen Angebots.